Kleine Münze mit großer Geschichte

01.09.2018 - Der Fundus an historischen Gegenständen bei der Feuerwehr Kösching ist heuer um eine Gedenkmünze reicher geworden. Zu verdanken ist dies einem „Schatzsucher“, der die Plakette ausfindig machte und der Wehr überließ. Die Freude bei den Floriansjüngern darüber war groß – immerhin haben sie nun ein Erinnerungsstück an deren 25-jähriges Stiftungsfest im Jahre 1897...



Feiert ein Verein ein Gründungsfest, so ist das zweifelsohne etwas ganz Besonderes. Dies macht sich schon jetzt bei Köschings Feuerwehrleuten an der Vorfreude auf deren 150. Geburtstag in drei Jahren bemerkbar. Aber auch an die zurückliegenden „großen Feste“ – wie etwa die Fahnenweihe 1967 oder die Jubiläen 1970 und 1996 – denken viele Beteiligte noch immer lebhaft und positiv zurück. Als „stumme Zeitzeugen“ gelten dabei die Fahnenbänder sowie Festschriften und -zeichen. „Glücklicherweise sind solche Erinnerungsstücke immer fein säuberlich aufbewahrt worden“, zeigt sich Vorsitzender Christian Wittmann erleichtert. Diese Sammlung konnte kürzlich um eine 121 Jahre alte Antiquität erweitert werden, wie Vize-Vorsitzender Stefan Lechermann erzählt: „Aus Anlass des 25-jährigen Stiftungsfestes im Jahre 1897 wurden Gedenkplaketten geprägt, wovon ein Exemplar von einem Schatzsucher ausfindig gemacht werden konnte.“ Bei dem Finder handelte es sich um Dennis Neuber, der sich regelmäßig mit einem Metalldetektor auf die Suche macht. Dass er die „Köschinger Münze“ der dortigen Wehr überließ, war für ihn selbstverständlich „Solch ein geschichtsträchtiger Schatz gehört nach Hause“.

''Einer für Alle - Alle für Einen'' - zusammen mit Helm, Beil und Feuerwehraxt ist der Wahlspruch der Feuerwehren auf der Vorderseite der Münze zu finden.

Auf der Münzen-Rückseite wurde unter anderem das Datum des Stiftungsfestes eingeprägt.

So ''hochglanzpoliert'' wie auf den anderen beiden Bildern präsentiert sich die Gedenkmünze leider nicht mehr. Kein Wunder: sie wurde im wahrsten Sinne des Wortes ausgegraben.

Mit der Übergabe des 3 Zentimeter großen Stücks Feuerwehrgeschichte wurde auch eine gewisse Neugierde über den Ablauf des 25-jährigen Gründungsfestes geweckt. Eine sehr ausführliche Antwort liefert dabei die Chronik der Wehr, in der alles akkurat niedergeschrieben wurde. So begann das Jubiläum am Abend des 28. August 1897 mit einem Zapfenstreich, welchem „zwanglose Unterhaltung“ im Saal des Gasthauses Burgmaier folgte. In einer Ansprache erinnerte Kommandant Max Burgmaier auch an die Schwierigkeiten in den Anfangsjahren: „Er gedachte der vielen Feindseligkeiten, welche in den ersten Jahren nach der Gründung zu überwinden waren und einmal sogar den Verein aufzulösen dachten. Aber die Energie und der Diensteifer, der Mitglieder, sowie das Bewusstsein für eine gute Sache zu kämpfen, errangen endlich den Sieg über die vielen Gegner“ – wie Schriftführer Ferdinand Ott in der Chronik niederschrieb.
Der darauffolgende Festsonntag begann verregnet und relativ früh: Bereits um 5 Uhr hallte der „musikalische Weckruf“ durch die Böllerschützen durch den Markt. Zum Glück hatte sich der Himmel drei Stunden später aufgehellt, wodurch man 17 Feuerwehren aus dem gesamten Bezirk in Kösching begrüßen konnte. Im Rahmen eines offiziellen Aktes auf dem Marktplatz, der im Anschluss an die Heilige Messe stattfand, konnten 25 der einst 27 Gründungsmitglieder mit Ehrenzeichen bedacht werden. Dass die, für Nachmittag angesetzte Inspektion – verbunden mit einer Angriffsübung am Reglerschen Gasthause – zur vollsten Zufriedenheit ausgefallen war, hielt Schriftführer Ott stolz fest: „Hierbei zeigte es sich, daß sich unsere Feuerwehr als eine der besten des Bezirks betrachten darf.“ Ein „fröhliches, kameradschaftliches Leben und Treiben“ hatte sich bei den weiteren Feierlichkeiten am Burgmaier´schen Sommerkeller eingestellt. Einen würdigen Abschluss des Sonntags bildete ein Feuerwerk, welchem eine kurze Ansprache von Vorstand Joseph Burgmaier folgte.
Der 30. August 1897 beinhaltete – als letzter Tag des Stiftungsfestes – einen Seelengottesdienst für die verstorbenen Mitglieder, einen Frühschoppen beim Kastlwirt und abschließend einen Ausflug zum Köschinger Waldhaus. Die Ausführungen zu diesem stolzen Jubiläum schloss Schriftführer Ott mit den Worten: „Möchte auch für alle Zukunft der Geist, der dieses Fest gezeigt hat, in der Freiwilligen Feuerwehr Kösching walten, dann wird es uns ein leichtes sein, unsere Aufgaben voll und ganz zu erfüllen, welche in der schönen Devise gipfelt: „Gott zur Ehr – Dem Nächsten zur Wehr“.

Derartige Anekdoten werden künftig noch mehr in den Fokus treten: „Für unser 150-jähriges Gründungsfest möchten wir ein Festbuch mit einem umfassenden geschichtlichen Abriss erstellen“, verrät Vorsitzender Wittmann und fügt mit einem Augenzwinkern an: „Vielleicht gibt es aus diesem Anlass auch eine Neuauflage der Gedenkmünze von 1897.“

 
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