Gerätehauserweiterung, neue Schutzanzüge, Gerätschaften und Fahrzeuge... für die Köschinger Wehr waren die 1980er Jahre ein Jahrzehnt der "Aufrüstung". Doch, es war auch die Zeit der Verkehrsunfälle - denn durch die Anschaffung von Rettungsschere und Spreizer wurden die Feuerwehrleute nun immer öfter zu teils schweren Unfällen gerufen.
Wie schon die vorangegangenen Seiten unserer Chronik gezeigt haben, liegen bei den Feuerwehren Freud und Leid oft nah beieinander. So kann man zwischen all den Einsätzen und Schicksalen des Alltags immer wieder auf Erfreuliches zurückblicken - wie etwa die Gründung einer Jugendfeuerwehr oder das 125jährige Gründungsfest... doch, sehen Sie selbst: Hier sind die Jahre 1980 bis 1999:

 

"Spreizer und Schneidgerät vor!"

Schon in den 70er Jahren zeichnete sich ein Wandel bei den Feuerwehren ab: So beschränkte sich das Spektrum der Wehrmänner nicht mehr nur auf das Löschen von Bränden! Vielmehr wurden die Einsatzkräfte nun zu sogenannten "technischen Hilfeleistungen" - wie etwa schwere Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Personen - gerufen.

Um für solche Szenarien gerüstet zu sein, beschaffte die Köschinger Wehr 1980 einen "hydraulischen Rettungssatz". Dieser bestand aus einem Motorpumpen-Aggregat, einer Rettungsschere und einem Spreizer. Den Feuerwehrleuten war es mit diesen Gerätschaften nun möglich, Pkw-Insassen vergleichsweise schonend aus ihren deformierten Fahrzeugen zu befreien.

Dieser erste Rettungssatz war zunächst in einem als Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) genutzten Unimog verstaut.
Bei diesem Fahrzeug handelte es sich um ein ehemaliges Fahrzeug der Bereitschafts- polizei Eichstätt, welches erst nachträglich zum "Feuerwehrauto" umgerüstet wurde.

 

Ein Löschfahrzeug als Geschenk

Ein besonderes Geschenk konnte Kommandant Thomas Huber zu Beginn der 80er Jahre entgegennehmen: Die Shell- Raffinerie Ingolstadt übergab der Wehr ein gebrauchtes Trockentanklöschfahrzeug "TroLF 2250". Wie die Ziffer andeutet, führte der Wagen 2250 Kilogramm Löschpulver mit. Somit war die Feuerwehr nun bestens für den Einsatz bei Flüssigkeits- und Gasbränden gewappnet.

Was viele gar nicht wissen: Die Feuerwehr Kösching wäre beinahe in den Besitz eines Rüstwagens RW 2 gekommen. So berichtete der Donaukurier Anfang der 80er Jahre darüber, dass der Gemeinderat ein solches Fahrzeug besichtigt hatte:

"Schnelle Hilfe auf Rädern
Gemeinderat begutachtete Feuerwehr-Rüstwagen

Im Gemeinderat stand die Anschaffung eines Rüstwagens für die Feuerwehr auf der Tagesordnung. Nach kurzer Diskussion wurde beschlossen, sich ein solches Fahrzeug zunächst einmal genauer anzuschauen. Dazu war nun Gelegenheit. Im gemeindlichen Bauhof stand ein voll ausgestatteter Rüstwagen modernster Bauart.
Neben Bürgermeister und Gemeinderat waren auch Kreisbrandrat Anton Bauer, Kreisbrandinspektor Meixner, zahlreiche Köschinger Feuerwehrleute und sonstige interessierte Bürger anwesend, als ein Vertreter der Herstellerfirma die Einrichtungen des Fahrzeuges erläuterte.[...]"

Die Kosten für ein solches Fahrzeug beliefen sich zur damaligen Zeit auf 321.000 DM. Nach Abzug aller Zuschüsse hätte die Gemeinde noch rund 127.000 Mark berappen müssen.
Obwohl die Anschaffung eines Rüstwagens von fast allen Seiten seine Zustimmung fand, wurde ein Kauf letztendlich nicht getätigt.

 

Dauerbrenner "Feuerwehrhaus"

Die stetige Erweiterung des Fahrzeugparks sorgte schnell für enorme Platzprobleme im Gerätehaus. So waren auf zwei Stellplätzen vier Fahrzeuge untergebracht. Die Drehleiter musste sogar im benachbarten Bauhof untergestellt werden.

Nachdem zunächst eine Erweiterung des bestehenden Gebäudes nach Süden um drei Stellplätze vorgesehen war, änderten sich die Meinungen schnell: Da der Bauhof ebenfalls zu klein sei, sollte an einen Neubau gedacht werden. Diese Pläne wurden jedoch auch verworfen und nach längerem "Hin und Her" entschied man sich für einen Anbau mit drei Stellplätzen und Unterkellerung in nördlicher Richtung. Im Jahre 1982 konnte der Erweiterungsbau schließlich seiner Bestimmung übergeben werden.

Dass die Feuerwehr an dieser Lösung nicht all zu lange ihre Freude haben sollte, stellte sich nur wenige Jahre später heraus. Aber, dazu später...

 

"Dollinger Spezial", "21er" und "Kanun"

Das - von der Shell-Raffinerie zur Verfügung gestellte - Trockenlöschfahrzeug war übrigens nicht der einzige "Exot" im Fuhrpark der Köschinger Wehr! Vielen Köschinger Feuerwehrleuten ist der Name "Dollinger Spezial" noch heute ein Begriff. Hinter dieser internen Bezeichnung verbarg sich ein ausgemusterter Tankwagen der Firma Dollinger.

Diesen hatten die Wehrmänner bereits Ende der 70er Jahre auf ihre Belange umgerüstet und in Feuerrot lackiert. Mit diesem Wagen konnten sage und schreibe 7.000 Liter Löschwasser zum Einsatzort transportiert werden.

Nachdem aus dem Kauf eines Rüstwagens nichts wurde, erhielt die Feuerwehr Kösching ein anderes Fahrzeug. Bei dem Neufahrzeug handelte es sich um ein Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 auf einem Mercedes-Benz-Fahrgestellt mit einem Ausbau von Ziegler.

Das neue Löschfahrzeug verfügte - neben der Beladung zur Brandbekämpfung - auch über einen 2.500 Liter fassenden Wassertank. Mit der Neubeschaffung konnte auch ein Provisorium aufgelöst werden: So wurde der hydraulische Rettungssatz vom Unimog in das neue TLF verlegt.

Viele Jahre war das Tanklöschfahrzeug das "Erstangriffsfahrzeug" der Wehr. Ein besonderer Hingucker stellte die Lackierung dar: sie war nicht etwa im "standesgemäßen Feuerrot" ausgeführt, sondern in Tagesleuchtrot. Diese hellere Farbgebung sorgte für eine bessere Wahrnehmung im Straßenverkehr.

Durch den Funkrufnamen "Florian Kösching 21/1" wurde auch der interne Rufname abgeleitet: So fuhren Generationen von Feuerwehrleuten mit dem "21er" zu Übungen und Einsätzen.

An dieser Stelle soll auch noch eine kleine Geschichte vermerkt werden, die damals für den Unmut der Feuerwehrleute sorgte: Nachdem das neue Tanklöschfahrzeug im Dezember 1982 nach Kösching überführt worden war, erhielt es auch seinen kirchlichen Segen. Aus irgendwelchen Gründen, war bei dieser Weihe kein einziger Feuerwehrler hierzu eingeladen - was die "Floriansjünger" stark ärgerte.


Nur kurze Zeit nach der Übergabe des "21ers" hielt wieder ein "neues" Fahrzeug Einzug ins Gerätehaus: Die Werksfeuerwehr der Esso-Raffinerie Ingolstadt übergab ein gebrauchtes Zumischerlöschfahrzeug an die Wehr. Zur Übergabe dieses Sonderlöschfahrzeuges berichtete der Donaukurier folgendermaßen:

"Esso schenkte Köschinger Wehr ein modernes Tanklöschfahrzeug
Neues Gerät kann ab sofort eingesetzt werden

Die Köschinger Feuerwehr hat Grund zur Freude. Am vergangenen Freitag erhielt sie von der Esso-Raffinerie ein Tanklöschfahrzeug TLF 24 als Geschenk. Zur Übergabe des Fahrzeugs waren der Leiter der Esso-Raffinerie, Direktor Roland Günther, mit einigen Mitarbeitern und zwei Feuerwehrleuten nach Kösching nach Kösching gekommen.

In einer kurzen Ansprache vor dem neuen Feuerwehrhaus erklärte Direktor Günther, daß durch die Neuanschaffung eines Feuerlöschfahrzeugs, das im Ersteinsatz von nur einem Mann zu bedienen sei, ein Tanklöschfahrzeug in der Esso- Raffinerie frei wurde. Dieses voll funktionstüchtige Löschfahrzeug mit Schnellangriffseinrichtung wolle er der Köschinger Feuerwehr kostenlos zur Verfügung stellen.[...]"

In den Folgejahren steckten die jungen Köschinger Feuerwehrleute viel Zeit in das Fahrzeug. So wurde die "Kanun" - wie der Magirus-Eckhauber liebevoll genannt wurde - Mitte der 80er Jahre in unzähligen Stunden restauriert!

 

"Führend in ganz Bayern"

"Köschinger Feuerwehr führend in ganz Bayern!" So lautete die Überschrift eines Zeitungsberichtes im Donaukurier 1987, der anlässlich der Einweihungs- feier des neuen Gelenkmastes verfasst wurde.

Das Fahrzeug ist bis heute das einzige Hubrettungsfahrzeug, dass die Ilsfelder Firma "Kübler Fördertechnik" für eine kummonale Feuerwehr gebaut hat.

Auf der Arbeitsbühne, die bis 18 Meter ausgefahren werden konnte, hatten vier Wehrmänner Platz. Das neue Fahrzeug fand Verwendung in der Personenrettung und der Brandbekämpfung und wurde zum Ausleuchten von Unfallstellen verwendet.

Noch im selben Jahr konnte auch das neue Mehrzweckfahrzeug bei der Firma Krümpelmann in Landshut abgeholt werden. Hierfür wurde das Trocken- löschfahrzeug TroLF 2250 ausser Dienst gestellt.

Im Januar 1990 konnte das neue Löschgruppenfahrzeug LF 16/12 seiner Bestimmung übergeben werden. Bei der kirchlichen Weihe, die von Pfarrer Johann Götz vollzogen wurde, waren Bürgermeister, der komplette Marktgemeinderat sowie die gesamte Mannschaft der Köschinger Wehr anwesend.

Besondere Aufmerksamkeit weckte der Feuerwehrmann Thomas Huber jun. mit einem langen Gedicht, das er bei der Segnung des Vorläufers des neuen Fahrzeugs im Jahre 1964 gelernt hatte und aufsagen sollte. Aus unerklärlichen Gründen sei er bei der damaligen Feier nicht zum Zuge gekommen. Darum sagte er dieses Gedicht nun auf. Er schloss mit dem Vers "O heiliger Florian, nimm dich ums neue Auto an! Wend ab von uns den Blitz, das Feuer und schütze Haus und Stall und Scheuer". Er fand großen Beifall.

Ein Großbrand auf Gut Hellmannsberg forderte die Köschinger Feuerwehr im Frühjahr 1990. Bei den Löscharbeiten waren insgesamt fünf Wehren im Einsatz. Allein von der Köschinger Feuerwehr wurden 800 Dienststunden geleistet!

 

Das Ende einer Ära

Mit der Jahreshauptversammlung im Frühjar 1990 endete auch eine Ära bei der Feuerwehr Kösching: Thomas Huber, der das Amt des Kommandanten 30 Jahre lang ausübte, konnte aus Altersgründen nicht mehr kandidieren.

Der damalige Kreisbrandrat Nikolaus Meier würdigte bei der Verabschiedung die besonderen Verdienste von Thomas Huber. Der hervorragende Ausbildungsstand der Wehr sei insbesondere sein Verdienst gewesen. Großer Verdienst war auch, dass die Ausrüstungsgegenstände und der Fahrzeugpark immer auf dem neuesten Stand waren. Huber habe sich um die Wehr verdient gemacht.

Im Auftrag des Landrats und der Landkreisfeuerwehren wurde an Huber der Landkreisteller überreicht.
Auch die Bürgermedaille in Gold wurde dem langjährigen "Chef" zuteil. In Würdigung und Anerkennung seiner langjährigen Arbeit und seinem beispiellosen Einsatz wurde er zum Ehrenkommandanten ernannt.

Das Amt des Kommandanten blieb aber in der Familie Huber: zum Nachfolger wurde mit großer Mehrheit Raimund Huber gewählt, der bisher schon als Stellvertreter seines Vaters fungierte.

 

"D´ BayWa brennt!"

Mit einem der größten und schwersten Einsätze in ihrer Geschichte hatte die Köschinger Wehr am 1. April 1993 zu kämpfen: Das BayWa-Lagerhaus in Lenting, in welchem 8.000 Doppelzentner Getreide und rund 150 Zentner Düngemittel gelagert waren, stand lichterloh in Flammen.

Die alarmierten Feuerwehren aus Lenting, Kösching, Hepberg und Ingolstadt mit 19 Fahrzeugen und 116 Mann konnten das Feuer wegen der enormen Hitzeentwicklung zunächst nur aus der Distanz bekämpfen.

Selbst in 50 Meter Entfernung vom Brandherd verschmorten Kabelstränge von Feuerwehrfahrzeugen, sogar Scheinwerfer und Blaulichter barsteten in der glühenden Hitze! Übrigens: Dies war der erste Einsatz, den die Ingolstädter Wehr als Berufsfeuerwehr meistern musste.

 

Die erste Jugendfeuerwehr

Um den Nachwuchs in der Feuerwehr nachhaltig sichern zu können, entschloss man sich im Frühjar 1993 eine Jugendfeuerwehr zu gründen. Die Ausbildung der 14 bis 18jährigen oblag den beiden Jugendwarten Holger Gassmann und Georg Liebhard.

Bereits im August selbigen Jahres unterzogen sich Christian Bast, Paul Fuchs, Max Schöner, Matthias Peterseil, Stephan Reck, Sigfried Schöner, Daniel Berkemayer und Erich Haag der Abnahme zum bayerischen Jugendleistungsabzeichen.

 

Rudolf Haas folgt auf Raimund Huber

Nach nur fünf Jahren stellte Kommandant Raimund Huber sein Amt aus beruflichen und privaten Gründen zur Verfügung. Zu seinem Nachfolger wählte die Mannschaft Rudolf Haas. Der Posten des Stellvertreters blieb zunächst bei Herbert Brunner.

 

Löschfahrzeug als Geburtstagsgeschenk

Das 125jährige Gründungfest beging man in der Zeit vom 14. bis zum 17. Juni 1996. Höhepunkt des Jubiläums war die Weihe des neuen Tanklöschfahrzeugs TLF 24/48, welches im Herbst 1995 nach vielen Diskussionen bestellt werden konnte.

Beim darauffolgenden "Bunten Abend" im Festzelt wurden eine Reihe von Mitgliedern für ihr Engagement für die Feuerwehr insgesamt und die Ausrichtung des Jubiläums geehrt. Festleiter Thomas Schmidt konnte bereits am Samstag 17 Gastvereine, die am Sonntag anderweitig verpflichtet waren begrüßen.

Eine besondere Showeinlage boten die Kameraden der Hepberger Feuerwehr: In historischen Uniformen sangen sie auf der Bühne "Mir san die Hepbeger Feierwehr und gratulieren". Highlight am Sonntag war zweifelsfrei der über zwei Kilometer lange Festzug, der sich durch den Markt schlängelte. 70 Vereine aus Kösching und der näheren Umgebung nahmen daran teil.

Weihe des neuen Tanklöschfahrzeugs TLF 24/48 auf dem Marktplatz.     Auf ein gelungenes Fest! Doch bevor das Fest überhaupt stattfinden konnte, war eine Abordnung der Feuerwehr Kösching einen Monat zuvor nach Kasing marschiert, um dort um die Übernahme der Patenschaft zu bitten.

Die Kasinger Feuerwehr unter Kommandant Alois Girtner und Vorsitzenden Michael Sterler machten es den Antragstellern jedoch nicht all zu einfach.
So galt es, unter den kritischen Blicken der Kasinger Feuerwehrler eine Saugleitung zu kuppeln, die alte Holz-Schiebeleiter in Stellung zu bringen sowie eine Tragkraftspritze ordnungsgemäß zu bedienen. Auch der Umgang mit der Kübelspritze musste unter Beweis gestellt werden. Nachdem alle Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit erledigt wurden, stimmten die Kameraden aus Kasing gerne zu und besiegelten die Patenschaft mit einer Brotzeit.

 

Auf dem Weg ins neue Jahrtausend

Nur ein Jahr nach dem großen Feuerwehrjubiläum stand ein Wechsel in der Vereinsspitze an. Vorsitzender Egidius Nunner - seit 1978 im Amt - übergab die Amtsgeschäfte an seinen bisherigen Stellvertreter Thomas Schmidt. In Anerkennung seiner geleisteten Arbeit wurde Nunner zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Da die Einsatzmöglichkeiten des Gelenkmastes begrenzt waren, entschied man sich Ende der 90er Jahre nach einem Ersatzfahrzeug Ausschau zu halten. Im Frühjar 1999 konnte man eine gebrauchte Drehleiter DLK 23/12 n.B. (das n.B. steht für "niedere Bauart") bei der Berufsfeuerwehr in München abholen.

 
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